logoAFS

KOSMOGRAPHIA

Sortierung:
Seite:

Zeiller, Martin – Merian, Matthäus: Komplette  Topographiæ Germaniæ. 31 Bde. bzw. Teile sowie Gesamtregister in zus. 18 Bdn. Frankfurt, M. Merian, C. Merian u. Merian Erben, 1642-1736. Fol. Gr.-4to.(ca.32:22 cm). Es fehlt insgesamt nur eine einzige Kupfertafel der meist frühen Ausgaben ! ( Ansicht von Rotterdam). Dazu um etliche vermehrt.

Gesprenkelte Kalbsldr.-Bde der Zeit auf 6 Bünden über Holzdeckeln mit reicher RVerg. und RSchild. Blindgepr. Streicheisen-, Stempel- u. Rollbandornamentik mit floralen und ornamentalen Elementen. 5 Bände davon im gleichen Stil hervorragend nachgebunden.

Die umfangreichste deutsche Topographie des 17. Jahrhunderts, Lebenswerk Merians und Glanzstück Frankfurter Buchkunst. Meist in ersten Ausgaben und mit schönen, satten Abdrucken der Kupfer. Insgesamt schönes, sehr gut erhaltenes und in dieser Vollständigkeit in so frühen Auflagen sehr seltenes Exemplar in einheitlicher Bindung der Zeit.

„Vollständige Reihenwerke werden praktisch nicht mehr angeboten. Sammler sind gezwungen, die Bände einzeln zusammenzukaufen“ (Wüthrich).

Martin Zeiller und Matthäus Merian schufen hier ein unglaublich umfassendes Werk mitten im 30-jährigen Krieg, aus einer Zeit unserer Vorväter, mit malerischen Stadtansichten wie Sie vor den Kriegen zu sehen waren. Außer in Deutschland werden auch Gegenden, Orte, Bauwerke…(Merian schreibt im ersten, erschienenen Band der Eydgnoßenschafft  „nicht nur eines Stätte=Buchs, sondern einer Orth=Beschreibung/oder Topographiæ particularis“) in Österreich, der Schweiz, der Niederlande, Belgien, Frankreich, Italien, Polen, Ungarn, Tschechien, teilweise auch Spanien, Kroatien, Serbien, Slowenien, Griechenland und der Türkei beschrieben.

Bei Koller Auktionen in Zürich wurde für eine ähnliche Ausgabe am 25. Juni 2010  CHF 170.000.- (entspricht ca. € 156.500.- inkl. Auktionsgebühren) bezahlt, allerdings ohne die Bände von Frankreich, Italien und Rom, welche hier mit vorliegen und bei dieser Vollständigkeit und Erhaltung mit mind. weiteren € 15.000.- angesetzt werden müssen.

Herausragende Provenienzen:

1700: 3 Ausgaben mit dem  Besitzvermerk auf den Kupfertitel von Jacob Wilhelm Tetzel.

[ Jacob Wilhelm Tetzel von Kirchensittenbach stammt aus dem Nürnberger Patriziat, studierte in Altdorf und lebte Ende des 17. / Anfang 18. Jahrhunderts. ]

vd17 29:723546R  Digitale Sammlungen der UB Erlangen-Nürnberg 

 

 

 

1800: Aus der Bibliothek des Herrn Pfarrer Markus Philipp Burk mit dessen handschriftlichem Besitzvermerk von 1800 „M. M. P. Burk. Pfarrer zu Markt Weiltingen 1800“ und zahlreiche bibliographische Angaben auf dem Vakatblatt der ersten beiden Bände von seiner Hand. Seine Annotationen umfassen u.a. ein ausführliches Register der vorliegenden Bände, wie sie übrigens heute noch eingebunden sind.

Markus Philipp Burk ( * 08. Juni 1755 in Hedelfingen/Esslingen – † 06. November 1815 in Weiltingen), Kunstschriftsteller und Pfarrer zur Markt Weiltingen im Württembergischen, heute im mittelfränkischen Landkreis Ansbach (Bayern) war der Sohn des theologischen Schriftstellers Philipp David Burk ( 26. Juli 1714 Neuffen/Württemb. bis 22 März 1770 Kirchheim/Teck ), welcher u.a. in Herbrechtingen-Bolheim tätig und der Schwiegervater von Bengel war , dessen pietistischen Theorien er weiter verbreitete.  

Markus Philipp studierte die Humaniora 1768-1770 in Denkendorf und 1770-1772 in Maulbronn, danach Philosophie und Theologie an der Universität Tübingen 1772-1777. Im Jahre 1787 wurde er Diakon in Liebenzell und ab 1795 Pfarrer in Weiltingen.

Er gab mindestens 30 Schriften heraus und war bekannt für seine seltene, umfangreiche Kunstsammlung.

1900: Des Weiteren in allen Bänden das Exlibris (dat. 1926) des deutschen Generalkonsul in Buenos Aires Richard Wilhelm Staudt (* 06.03.1888 in Berlin; † 1955 in Buenos Aires).Er war Unternehmer und auch als Kunstsammler bekannt. Die Familie Staudt war eng mit dem deutschen Kaiser Wilhelm II befreundet. Dieser besuchte Fam. Staudt des öfteren in Ihrer Villa in Heringsdorf während der Kieler Woche.

                                     

Lit.: „Zum Tee mit dem Kaiser in Heringsdorf“von Richard Wilhelms Sohn Guillermo, reich bebildert und liegt hier mit bei.

2020: Im Privatbesitz von Frank Seefelder.

 

In der Reihenfolge des vorhandenen Registers von 1726, wie sie auch eingebunden sind:

  1. Österreich mit 2 Anhängen. Topographia Provinciarum Austriacarum. 1649, Anhänge 1736. Kupfertitel, zus. 9 Karten u. 109 Tafeln. – Erste Ausgabe mit 94 Kupfer und 129 Darstellungen (W.: „Exemplare davon sind selten“) Wüthrich IV, 43, Sch. 1.A. Gesamt VIII + 155 (eig. 147) + XII S.-Vakatblatt mit umfangreichen Annotationen zum Werk von M.M.P. Burk datiert 1800. Brief Staudt`s mit Anfrage und Antwort an die Frankfurter Stadtbibliothek mit eingebunden. Die Anhänge in siebenter Ausgabe und separat gebunden, ebenfalls mit Anmerkungen von Pfr. Markus Philipp Burk auf dem 2. Vakatblatt von 1808 (“ … auch noch der besondere Anhang enthalten, welcher die Beschreibung der Grafschaften Windhag, Reichenau, Horn, Drosendorf und Petronell in sich faßt und unter allen Abtheilungen der Zeilerisch=Merianischen Topographie das allerseltenste Stück ist…“) . Anhang I (14 Kupfer mit 22 Darstellungen) 49a. Gesamt I + 8 S. -Anhang II mit Windhaag, Reichenau, Petronell (10 Kupfer mit 13 Darstellungen) 49b. Gesamt 14 + I (Register) + II (Kupferverz.) S.- Wenige Tafeln knapp beschnitten. Vollständig.

 

              

2. Böhmen – Mähren – Schlesien. Topographia Bohemiae, Moraviae et Silesiae. 1650. Kupfertitel, 3 Karten u. 34 Tafeln mit 38 Darstellungen. – W. IV, 51, Sch. 14.A. Gesamt 192 + XVII S.-Erste Ausgabe. – Als Beiband zum Österreichband gebunden. S. 65-72 nach S. 88 verbunden. Mit dem oft fehlenden Kupferverzeichnis (W.). Vollständig.

 

          

3. Schwaben. Topographia Sueviae. 1643. Kupfertitel, 2 Karten u. 58 Tafeln. – W. IV, 11, Sch. 22.A.  Gesamt VIII + 100 + X S.-Erste Ausgabe.  Mit den beiden Tafeln von Hall (Schwäbisch Hall, W. Nr. 49) und Hechingen mit Schloß Hohenzollern (W. Nr. 55) – Vor Bayern gebunden. Titel mit kurzem Besitzvermerk von Tetzel im unteren Rand. Vollständig.

             

4. Bayern. Topographia Bavariae. 1644. Kupfertitel, 3 Karten u. 54 Tafeln mit 100 Darstellungen.  Mit den später hinzugefügten Tafeln Schloß Hellabrunn und Berchtesgaden 1+2; dem Wappenkupfer nach S. 69; Rain; Regensburg; Tegernsee (6)  – W. IV, 19, S. 109, Sch. 18.A.  Gesamt 84 + VII S.- Erste Ausgabe. Mit dem meist fehlenden Kupferverzeichnis (Bericht an den Buchbinder)- Als Beiband zu Schwaben gebunden. Vollständig.

       

5. Elsaß. Topographia Alsatiae. 1644. 2 Karten u. 37 Tafeln mit 55 Darstellungen- W. IV, 15, Sch.26.A.  Gesamt IV + 53 + VI S.-Erste Ausgabe. Dagsburg (Vianden) mit dem Dopelblatt, vergl. W.S. 89. Dünnes Blatt auf  S. 9/10 – Vor den Band Pfalz gebunden. Vollständig.

       

6. Rheinpfalz. Topographia Palatinatus  Rheni. mit Zuegab 1645. Kupfertitel, 3 Karten u. 58 Tafeln mit 97 Darstellungen. – W. IV, 24, Sch.30.A. Gesamt 67 + V; Zuegab 17 + II S.- Erste Ausgabe. – Mit den hinzugefügten Tafeln Heidelberg von Süden + Großes Faß; Osterburg + Lindenfels + Meisenheim; Lambrecht + Sinsheim + Wiesloch; Lambsheim + Lauterecken + Hagenbach (siehe W. 4 S. 135).  Die Tafel der Römischen Münzen im Österreichband vorh. (wo sie auch hingehört). Als Beiband zu Elsaß gebunden. Vollständig.

       

7. Mainz – Trier – Köln. Topographia Archiepiscopatuum Trevirensis et Coloniensis. 1646, mit Anhang 1654. Kupfertitel, 3 Karten u. 40 Tafeln. – W. IV, 28/29, Sch.34.A. Gesamt 54 + VI; Anhang 41 + V S.- Erste, frühe Ausgabe (mit schönen, tiefen Abdrücken), da noch ohne die Karte vom Eichfeld (Wüthrich). Titel mit kurzem Besitzvermerk Tetzel`s im unteren Rand. Vor den Frankenband gebunden. Vollständig.

     

8. Franken. Topographia Franconiae. 1648. Kupfertitel, 1 Karte u. 42 Tafeln mit 50 Darstellungen (inkl. der beiden Portraits). – W. IV, 39, Sch. 40.A. Gesamt VI + 78 (eig. 76) + X S.- Erste Ausgabe. – Als Beiband zu Mainz gebunden. Mit zwei zusätzlichen Porträts von Johann Philipp von Schönborn, S. 62 und Melchior Otto (Voit von Salzburg), S. 14, beide gest. von Merian. Tafel Bamberg die Indices (unten) knapp beschnitten (W.Nr. 45). Vollständig.

   

9. Hessen. Topographia Hassiae. 1646. Kupfertitel, 3 Karten u. 59 Tafeln mit 124 D. – W. IV, 33, Sch. 45.A. Gesamt IV + 91 + V S.-Erste Ausgabe (schöne, satte Drucke)- Vor den Westfalenband gebunden. Vollständig.  

   

10. Westfalen. Topographia Westphaliae. (1647). Kupfertitel, 1 Karte u. 50 Tafeln mit 86 Darstellungen. – W. IV, 37, Sch. 49.A. Gesamt 94 + V S.- Erste Ausgabe. – Als Beiband zu Hessen gebunden. Vollständig.

       

11. Niedersachsen. Topographia Saxoniae inferioris. 1653. Kupfertitel, 4 Karten u. 37 Tafeln mit 57 Darstellungen. – W. IV, 60, Sch. 51.A. Gesamt 242 (eig. 218) + V S.-Erste Ausgabe. Vollständig.

   

12. Braunschweig-Lüneburg. Topographia und Eigentliche Beschreibung Braunschweig und Lüneburg. 1654 (= um 1660). Kupfertitel, 3 Karten u. 132 Tafeln. – W. IV, 64, Sch. 55.B.  Gesamt IV + 220 (eig. 218) + X S.-Zweite Ausgabe. Vollständig.

 

13. Obersachsen. Topographia Superioris Saxoniae Thüringiae, Misniae, Lusatiae. 1650 (= 1690). Kupfertitel, 5 Karten u. 61 Tafeln mit 91 Darstellungen. – W. IV, 56, Sch. 59.B.  Gesamt 196 + XI S.-Zweite Ausgabe. Entgegen Schuchard und Wüthrich hier mit einem sehr seltenen Kupferverzeichnis von 69 Nummern (EA mit 63 Nr.) und satten Abzügen. Vollständig.

     

14. Brandenburg – Pommern. Topographia Electorat(us) Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae. Mit 2 Anhängen (Pommerellien u. Lifland). Wohl 1703. Kupfertitel, 4 Karten u. 73  Tafeln mit 107 Darstellungen. – W. IV, 59. Sch. 60.A, 61.B (nur 1. und 2. Ausgabe), Dritte Ausgabe. Gesamt: Pommern IV + 129 + VII S.; Preußen 53 + III S.; Livland 36 + III S.- Um 3 Tafeln vermehrt (Berlin Vogelschau, Oranienburg, Brandenburg). Ohne Potsdam. Bände mit allen 4 zusätzlichen Tafeln sind selten (Wüthrich). Entgegen Wüthrich hier mit einem seltenen Kupferverzeichnis. Vollständig.

     

15. Schweiz. Topographia Helvetiae, Rhatiae et Valesiae. 1642. Kupfertitel, 2 Karten u. 55 Tafeln und 76 Darstellungen. – W. IV, 1, Sch. 62.A. Gesamt 72 + VII S.- Erste Ausgabe. – Da es sich um ein Frühexemplar handelt, hier noch ohne Neuenburg, s. W. 88+, zusätzliche Ansicht von Pfäffers-Bad (Schlucht), wohl aus Theatrum  Europaeum, Band 1 (W. Nr. 18).- Titel mit Besitzvermerk von Tetzel im unteren Rand. Vollständig.

       

16. Niederlande. Topographia Germaniae Inferioris, das ist Beschreibung und Abbildung der XVII Niederländischen Provintien. Um 1700. Kupfertitel, 12 Karten u. 107 Tafeln mit 171 Darstellungen . – W. IV, 70, Sch. 68 C. Gesamt I (Kupfertitel) + 283 + XX + II (Kupferverz.) S.-Vierte Ausgabe. Zusätzlich mit Zwolle Grundriss W. 67. Ohne die Ansicht von Rotterdam, W. 108, ansonsten vollständig.

     

17-29. Frankreich. Topographia Galliae. 13 Tle. in 3 Bdn. 1655-61. 9 Kupfertitel, 18 Karten u. 308  Tafeln. – W. IV, 71, Sch. 71-83.  Gesamt: Teil 1: IV + 97 + V + VIII S.; Teil 2: VI + 35 ( eig. 33) + III S.; Teil 3: VI + 38 (eig. 36) + IV S.; Teil 4: 25 + VII S.; Teil 5: IV + 24 (eig. 22 + II S.; Teil 6: 26 + IV S.; Teil 7: II + 71 + V + II (Kupferverz. für Teil 5-8) S.; Teil 8: II + 47 + III (Register) + IV (Plätze … Statt Rovan sich befinden) S.;Teil 9: 25 + III S.; Teil 10: 58 + V S.; Teil 11: 80 + IV S.; Teil 12: 39 + III S.; Teil 13: 37 + III + II (Kupferverz. für Teil 9-13) S.- Anhang Morea 29 + III S.- Sehr seltene erste Ausgabe (mit den Widmungen), W. S.486: „…übrigens von großer Seltenheit“… und weiter“… daß die wenigen gedruckten Exemplare wohl schnell vergriffen waren“. –  Außerdem mit den beiden zusätzlich vorhandenen Kupfertafeln von 2 Platten 1.) Invalidendom von der Seine aus „ Elevation de la Prinzipal Entrée de l` Hostel Royal de Invalides…“  und  2.) Invalidendom, von hinten ( „Elevation de la Fassade de derbere de l`Hostel Royal des Invalides…“ ). Wüthrich IV, Nr. 89 b und 89a. Vollständig.

           

30. Italien mit Anhang. Topographia Italiae & Anhang Königreich Morea. 1688. Kupfertitel, 7 Karten u. 46 Tafeln mit 70 Darstellungen. – W. IV, 81-82, Sch. 99.A. Gesamt VIII + 160 + XI S. Erste Ausgabe. – Rom und Venedig (W. 36 u. 44) unten knapp beschnitten. Vollständig.

          

31. Rom. Topographia Urbis Romae. 1681 (= um 1690). 101 Tafeln – W. IV, 78, Sch.102.B. Gesamt III + 74 S.- Zweite Ausgabe. Der Text von J. J. Boissard, deutsch von D. de Bry. –  Wie meist ohne das Kupferverzeichnis. Ansonsten vollständig.

 

32. Hauptregister. 1726 – Sch. 98.B; W. IV, 88, 98.B.  Gesamt 200 S.-Zweite Ausgabe. Separat gebunden. Vollständig.

   

Literatur:

W. =  Lucas Heinrich Wüthrich: Teil 4, Das druckgraphische Werk von Matthäus Merian d. Ae. „Die großen Buchpublikationen-Die Topographien“ 

Sch. = Schuchard: „Die Zeilller-Merianischen Topographien bibliographisch beschrieben“

Wüthrich: „Das druckgraphische Werk von Matthäus Merian d. Ae.“ Bände I – IV

Eckardt: „Matthäus Merian – Eine kulturhistorische Studie“

Brunner: Martin Zeiller: „Ein Gelehrtenleben“

Kühlmann: „Eigenart und Vermittlungsfunktion der polyhistorischen Reihenwerke Martin Zeillers“

„Catalog zu Ausstellungen Matthaeus Merian des Älteren 15.9. – 7.11.1993“  

Bachmann: „Die alten Städtebilder“

Martin Zeiller (* 17. April 1589 in Ranten, Steiermark; † 6. Oktober 1661 in Ulm)

 

Matthäus Merian der Ältere (* 22. September 1593 in Basel; † 19. Juni 1650 in Langenschwalbach)

 

 

119.500,00 EUR

 

Ulm. – Ulma . Gesamtansicht von Ulm. Kolorierter Holzschnitt aus: Hartmann Schedels Weltchronik (auch Nürnberger Chronik), (1493). 19,5 x 52 cm auf dem ganzen Doppelblatt. Original aus der lateinischen Erstausgabe 1493.

Bachmann 2145. – Große Ansicht von Ulm. Inkunabelblatt aus der berühmten Chronik.

Darüber und rückseitig mit dem lateinischen typographischen Text. Bugfalte geglättet.

790,00 EUR

 

 

Umbständliche und eigentliche Beschreibung von Asia: In sich haltend die Landschafften Mesopotamien, Babylonien, Assyrien, Anatolien oder Klein-Asien: Nebenst einer vollkommnen Vorstellung des glücklichen, wüsten und steinigten Arabiens. Zusamt deren verschiednen Namen, Grenzen, Abtheilungen, Städten, Flecken, Gewächsen, Thieren, Sitten, Trachten, Regierung, Geschichten und Gottesdienst, insonderheit der alten Araber, des Mahomets und der Mahometaner. … Anitzo aber ins Hochteutsche getreulichst übersetzet von Johann Christoff Beer.

 

 

 

Mit gestochenem Frontispiz, 3 gefalteten Kupfer-Karten, 20 (von 21, 13 gefalteten) Kupfer-Tafeln und 8 halbseitigen Textkupfern. Es fehlt die Ansicht von Abydos („Abidos in Asia“).

Nürnberg, Froberg für Hoffmann, 1681. 4 Bl., 556 S., 6 Bl. 33 x 20,6 cm.

Pergamentband der Zeit mit altem handschriftlichen Rückentitel.

Erste deutsche Ausgabe. Blackmer 450 Tiele 300 vgl. Lipperheide Lc 4. Dapper berichtet über Geschichte, Kultur, Religion und Landschaft von Anatolien, den Irak und Iran sowie die gesamte arabische Halbinsel. Die Karten zeigen Basra und Umgebung, Anatolien und Arabien. Die Tafeln mit Ansichten von Babylon, Bagdad, Ephesus, Ninive, Aden, Volkstrachten, Brauchtum, einem Kaffeestrauch u.a. Gereinigt, einige, zum Teil hinterlegte Randeinrisse.

       Kaffee

4.450,00 EUR

Grundlegendes Werk zur Kriegskunst des 17. Jahrhundert.Kriegs-Arbeit oder Kriegs-Kunst. Zerteilet in drei Theile.

Neuer Druck so wohl an den Sachen selbst, mit einer umständigen Erklährung der Türkischen Kriegs-Macht; als mit einem grossern Anzahl Kupferstichen ansehnlich vermehret und verbessert. Aus dem Frantzösischen verhochdeutschet.

3 Teile in 1 Band. Mit 3 gestochenen Titeln und 410 (von 411) ganzseitigen Textkupfern. Amsterdam, Waasbergen u.a., 1687. 19,2 x 11,5 cm. Pergamentband der Zeit (gereinigt) Graesse IV, 345 Fromm 16089 Jähns 1345: Das Werk ist eines der ausgezeichnetsten, welche in dieser Art veröffentlicht wurden.

Die Kupfer zeigen Befestigungen, Kriegsgerät, Schlachtformationen, Uniformen etc. teilweise mit kleinen Stadtansichten aus allen Teilen Europas im Hintergrund, darunter Amsterdam, Antwerpen, Barcelona, Lissabon, Madrid, Neapel, Turin, Venedig u.v.m. Das auf Seite 212 geplante Kupfer nicht ausgeführt (Plattenränder schwach sichtbar). Teilweise mit dezenten Bleistiftbeschreibungen, nur teilweise leicht braunfleckig, sonst außergewöhnlich gutes Exemplar.

1.880,00 EUR


Arnoldus Montanus: 

„Die Unbekante Neue Welt, oder Beschreibung des Welt-teils Amerika, und des Sud-Landes: Darinnen vom Vhrsprunge der Amerikaner und Südländer, und von den gedenckwürdigen Reysen der Europer danach zu. Wie auch Von derselben Festen Ländern, Inseln, Städten, Festungen, Dörfern, vornehmsten Gebäuen (Gebräuchen), Bergen, Brunnen, Flüssen und Ahrten der Tiere, Beume, Stauden, und anderen fremden Gewächse; Als auch von den Gottes-, und Götzen-diensten, Sitten, Sprachen, Kleider-trachten, wunderlichen Begräbnissen, und so wohl alten als neuen Kriegen, ausführlich gehandelt wird; Durch und durch mit vielen nach dem Leben in Ameriken selbst entworfenen Abbildungen geziert. Durch Dr. O(lfert). D(apper). Zu Amsterdam bey Jacob von Meurs auf der Keysergraft in der Stadt Meurs 1673.“


Erste deutsche Ausgabe in der Übersetzung und Erweiterung (658 Texts. ggü. 585 Texts. der niederl. Ausgabe) von Olfert Dapper (1636-1689) nach der kurz zuvor veröffentlichten niederländischen Originalausgabe.“This is a classic book on America, and is much sought after by collectors of Americana as it contains one of the first views of New York. It is sought after no less eagerly by collectors of Braziliana, being a classic work of the Dutch period“ (Borba de M.). „Sought chiefly for its plates, especially for the engraved view of New Amsterdam which is, without any doubt, the handsomest, and at the same time offers us the most agreeable  view of the Dutch New-York of those which have come down to us.“ (Asher, Sabin ). „For beauty and wealth of copperplates comparable only to de Bry“ (Howes).


Die Karten zeigen Amerika, Peru, Chile, Mexiko, Venezuela, Brasilien, Bermudas, Feuerland u. a. Die Ansichtstafeln mit den wichtigen Städten und Häfen der Neuen Welt, darunter Acapulco, Bahia, Havanna, Neu Mexico, Lima, Potosi, Salvador, Florida und eine der ersten Ansichten von New York (New Amsterdam) überhaupt. Die eindrucksvollen Porträts von Kolumbus, Amerigo Vespucci, Attabaliba (Inkakönig), Montezuma und Magellan. Die Textkupfer zeigen meist Ureinwohner, Indianer, Kannibalen, charakteristische Trachten, Schlachten, Besetzungen, Religiöse Riten, Sitten und Gebräuche, Tiere und Pflanzen sowie weitere Ansichten.

Das Vorsatzpapier zeigt auf einem Wasserzeichen einen Heißluftballon mit Luftschiffer in der Gondel. Dieses Motiv bezieht sich auf den Heißluftballon der Gebrüder Montgolfier und stammt aus einer hessischen oder baden-württembergischen Papiermühle vom Ende des 18. Jahrhundert (Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig, Papierhistorische Sammlungen). Somit wurde das Buch zu dieser Zeit, wohl unter Verwendung des alten Einbandes, neu eingebunden.

Wegen seiner Geschichte und Landeskunde, sowie der hervorragenden Illustrationen, (meist erstmals) mit schönen Staffagen ausgestatteten Karten, ein gesuchtes Werk.

Es gibt insgesamt 3 Ausgaben. Eine niederländische von Arnoldus Montanus (als Autor benannt), eine deutsche Übersetzung von Olfert Dapper (beide bei Meurs gedruckt) und noch eine Englische von John Ogilby, der sich die Kupfertafeln von Meurs zusenden ließ (beide nennen sich als Autor, ohne Erwähnung von Montanus).

In der deutschen Ausgabe mit der original Amerikakarte „Novissima et Accuratissima Totius Americae Descriptio per Gerardum A. Schagen“, welche  u.a. Kalifornien als Insel und die Straße von Anian (Nordwestpassage), darstellt (hier in Kopie vorhanden). Ogilby kupferte diese für die englische Version ab.

Das Werk von Montanus wurde unter der allgemeinen Leitung Dr. Olfert Dapper`s von Jacob Meurs in Amsterdam gedruckt.  Asher schreibt dazu: „This volume forms part of the great collection of Dapper.“ Das Copyright für diesen Band erwarb Meurs am 28. Juli 1670. Offenbar hatte Meurs mit John Ogilby eine Vereinbarung getroffen, die die Veröffentlichung einer Ausgabe des Werkes in englischer Sprache ermöglichte. Ogilby erwähnt in der englischen Ausgabe weder Montanus noch Meurs, obwohl ein Großteil der Arbeit eine direkte Übersetzung ist und er seine angefertigten Tafeln und Karten nutzte. In der John Carter Brown Library, der New York Public Library und der Harvard Library befinden sich Ausgaben von Ogilby mit dem Datum 1670 auf der Titelseite. Diese offensichtliche Priorität des Datums hat zu Verwirrung hinsichtlich der Urheberschaft und der relativen Reihenfolge der Veröffentlichung geführt. Tatsächlich hatte Ogilby, wie Meurs, 1670 vorgehabt, das Werk zu veröffentlichen. Er hatte Schwierigkeiten Informationen über die britischen Kolonien zu erhalten, wie wir aus einem Brief an John Locke von Peter Colleton wissen. Seine Veröffentlichung wurde im Juni 1670 für den folgenden Januar angekündigt. Im November 1670 wurde es als „eine gute Vorwärtsbewegung“ angekündigt. Es wurde aber schließlich erst am 3. November 1671 veröffentlicht. 1673 erschien die hochdeutsche Ausgabe, deren Urheberschaft Olfer Dapper zugeschrieben wird (Cumming).

Die deutsche Ausgabe ist wohl die seltenste, wenn Sabin Asher  zitiert: „The only copy of this rare book to be found in Holland belongs to Mr. Campell, deputy librarian at the Hague“. S. 16  in George Michael Asher`s : „A bibliographical and historical essay on the Dutch books and pamphlets relating to New-Netherland, and to the Dutch West-India company and to its possessions in Brazil, Angola, etc.“

EINBAND: Lederband der Zeit. Folio, 32 : 21,5 cm. – ILLUSTRATION: Mit Kupfertitel, 15 doppelblattgroßen bzw. gefalteten Kupferkarten (von 16), 38 Kupfertafeln  und 70 Textkupfern. – KOLLATION: 1 weißes Blatt mit schönem Wasserzeichen.1 Blatt Kupfertitel, 1 Titelblatt, 1 Blatt Privilegium, 1 Blatt Vorrede an den Leser,  658 S. (gegliedert in 3 Bücher), 11 Bll. (21 Seiten Blattweiser und 1 S. Anweisung an den Buchbinder), 5 leere Bl. mit verschiedenen Wasserzeichen). – ZUSTAND: Ohne die, meist fehlende, Gesamtkarte Amerikas, ansonsten komplett.  – Stellenw. etw. wasserrandig und fingerfl., teilweise, fachmännisch hinterlegte Einriße, meist im unteren Bereich (außerhalb des Textes),  1 Textkupfer ( allerletzte) mit Tintenfleck. Ansonsten insgesamt sehr guter Gesamtzustand. Provenienzen.

LITERATUR: Sabin 50087. – VD17 3 –  Howes D 59. – Alden/landis 673/111. – Church 613. – William P. Cumming, 67 – Borba de Moraes I, 245 und II, 586 Anm. – Tiele 763, Anm. – Schwartz-Ehrenberg, S. 118. Zur niederl. Ausgabe: Asher, New Netherland 14, Servies 200, Howes M733 (b).

 

Arnoldus Montanus, eigentlich Arnold van den Berghe (* 1625 in Amsterdam; † 1683 in Schoonhoven) war ein niederländischer Theologe (wie sein Vater) und Historiker. Er verfasste zahlreiche Bücher über Kirchengeschichte, die „Neue Welt“, Asien (Japan und China) und über die Niederländer in Übersee. Er gab u. a. 1612 Guiccardinis Beschreibung der Niederlande auf  niederländisch heraus, 1614 von Pontanus die Beschreibung Amsterdams und 1621 Mercators Cosmographicae Meditationes. Desweiteren war er auch Autor des Atlases von Jod. Hondius, dessen Schwager er war (Leo Bagrow/Skelton). Er kaufte u.a. den Mitarbeitern der Niederländischen Ostindien-Kompanie und Seefahrern Ihre Reiseberichte und Informationen ab und veröffentlichte diese in seinen Büchern, welche großen Einfluß auf die Wahrnehmung der Europäer auf die entsprechenden Gebiete ausübte.

Dr. Olfert Dapper (Januar 1636 Jordaan/Amsterdam – 29. Dezember 1689 Amsterdam) war ein angesehener niederländischer Arzt und Schriftsteller. Er schrieb maßgebliche Bücher über Weltgeschichte und Geographie, insbesondere über die Niederlande, Afrika, Asien (China, Indien, Persien, Syrien, Arabien, Mesopotamien, Babylon, das Heilige Land…), Griechenland und Amerika, welche mit sehr schönen Abbildungen und Karten verziert wurden. Er selbst hat jedoch die Niederlande nie verlassen. Seine Werke wurden ins Französische, Englische und Deutsche übersetzt und prägten das Bild der Europäer über die „Welt“.

Olfert Dapper

William P. Cumming wrote in „The Southeast in early maps: „The work by Montanus is  under the general editorship of Dr. Olfert Dapper, printed by Jacob Meurs of Amsterdam. The copyright for this volume was obtained by Meurs on July 28, 1670. Meurs evidently had an agreement with John Ogilby permitting publication of an edition in English of the work. Ogilby makes no reference to Montanus or to Meurs in the English edition, though much of the work is a direct translation. In general Ogilby used the plates and maps made for the Dutch edition by Meurs. In the John Carter Brown Library, New York Public Library, and Harvard Library are editions of Ogilby with the date 1670 on the title page. This apparent priority of date has caused confusion concerning the authorship and relative sequence of publication. Actually, Ogilby, like Meurs, had intended to publish the work in 1670. He had difficulty in getting information about the British colonies, as we know from a letter to John Locke from Peter Colleton. Its publication was announced in June 1670 for the following January; in November 1670 it was announced as in „a good forwardness“; and it was finally published November 3, 1671. In 1673 the High German edition, the authorship of which is attributed to Olfer Dapper, appeared.

 

First German edition. With engr. title, 1 doublepage or folding, 16 engr. maps , 38 copperplates and 70 text engravings. Contemp. calfskin – Lacking map of America. The last text engraving with ink holes. Original Binding restored. Some water stains on the edge, otherwise very good condition.

17.800,00 EUR

Riegel, C.: Der getreue Reiß-Gefert durch Ober- und Nieder-Teutschland. Das ist: Grundrichtige und ausführliche Abhandlung derer jenigen Residenzien, Städte, Schlösser, Vestungen, welche einem Reisenden sich hin und wieder vorstellig machen. Nürnberg, Witwe A. Knorz für C. Riegel, etwa 1695, erweiterte Ausgabe. 12mo. (13:8 cm).

Mit doppelblattgr. gest. Front. u. 119 (statt 120) Kupferansichten. 1 leeres Bl. mit Wasserzeichen, 1 dopplblattgroßer Kupfertitel, 1 Titelbl., 3 Bll. Vor=Bericht (so vollständig), 868 S. , 2 (leere) Bll., Ldr. d. Zt. mit reicher Rvg. u. Rsch. Vorderdeckel u. Gelenk mit kl. Wurmspur, Lesebändchen. Schöne, kräftige und saubere Abdrucke.

Meist sind die Exemplare stark abgenutzt, da sie oft auf Reisen mitgenommen wurden oder es wurden die Ansichten herausgetrennt. In dieser sehr guten Erhaltung und Vollständigkeit daher selten vorzufinden.

VD 17 3:612563W; vgl. Paisey G 564 u. Fauser I, LXIV (jeweils Erstausgabe 1686). – Geschätzter Reiseführer des Barock. Unter den reizvollen Ansichten die Städte Altenburg, Amberg, Amsterdam, Antwerpen, Aschaffenburg, Augsburg, Baden-Baden, Bamberg, Basel, Bautzen, Bayreuth, Berlin mit Schloß, Biberach an der Riß, Bonn, Braunschweig, Bremen, Breslau, Brüssel, Kassel (Cassel), Coburg, Köln (Cölln), Coppenhagen, Cüstrin, Danzig (Dantzig), Darmstadt, Dresden, Dinkelsbühl, Durlach, Eichstätt, Eisenach, Erfurt, Esslingen, Frankfurt am Main, Frankfurt an der Oder, Friedberg, Giessen,  Görlitz, Gotha, Gratz, Greifswald, Güstrow, (Den) Haag, Heilbronn, Halberstadt (Befestungsplan), Hall in Sachsen, (Schwäbisch) Hall, Hamburg, Hanau, Hanover, Harburg, Helmstadt, Heidelberg, Hildesheim, Jena, Ingolstadt, Innsbruck, Kempten, Königsberg, Landshut, Lauingen, Leipzig, Leyden, Lignitz, Lindau, Lintz, Lübeck, Lüneburg, Lüttich, Luxemburg, Magdeburg, Marburg, Mainz, Memmingen, Merseburg, München, Minden, Münster, Naumburg, Neuburg, Niemwegen, Nördlingen, Nürnberg, Öttingen, Ansbach (Onoltzbach), Osnabrück, Paderborn, Passau, Prag, Regensburg, Reutlingen, Rostock, Rottenburg an der Tauber, Salzburg, Schaffhausen, Schweinfurt, Speyer, Stettin, Stockholm, Stralsund, Strassburg, Stuttgart, Sulzbach, Donauwörth ( Thonauwerth), Trier, Tübingen, Ulm, Weimar, Wien, Weinheim, Wismar, Wittenberg, Wolfenbüttel, Worms, Würzburg, Zeitz, Zell, Zittau, Zürich, Zwickau. – Frisches Exemplar. Front. knapp beschnitten mit Bildberührung, Text oben knapp beschnitten, teils mit Berührung oder Verlust der Kopfzeile. Fehlt: Ansicht von Aachen, ohne die Deutschlandkarte und den Wegweiser.

2.880,00 EUR

Paar figürliche Kerzenhalter, Kandelaber um 1850

Eine stellt einen Landsmann, Knecht oder Junker dar, der andere eine feine Dame.

Zylindrisches Postament auf fünfeckiger Basis, zweiflammig, sehr gut erhalten.

Frankreich, um 1850.

1.200,00 EUR

Paar Empire-Kandelaber
Bronze, vergoldet und patiniert.

Zylindrisches Postament, mit reliefiertem Muster, auf quadratischer Basis.

Darauf auf Kugel stehende, geflügelte Victoria mit erhobenen Armen vierflammigen Leuchteraufsatz haltend, die Leuchterarme in Form von Füllhörnern (min. Alters- und Gebrauchsspuren).

Mehrteilig verschraubt. Im Stile von Pierre-Philippe Thomire.

Frankreich, ca. 1810 H. 65 cm.

3.990,00 EUR

SPANIEN

Funk, David (Hrsg.).

Hellpollierter Spiegel Des weltberühmten hispanischen Königreichs.
Das is: Ausführliche Vorstellung Aller Provinzien, Länder, Städte, Erz- und Bisthümer, Vestungen und Schlösser, derselben Lage, Fruchtbarkeit, Grösse, Seltenheiten, Regierungs-Form, Glücks- und Unglücks-Fälle betreffend…. Mit gest. Titel als Frontispiz und 12 Kupfertafeln.
Nürnberg, Funke, o. J. (um 1690). Kl.-8°. 297 S., [6] Bll. Rest. HPgt. unter Verwendung der alten Decken (teils Fehlstellen im Bezug, berieben, etwas fleckig, Deckel leicht verzogen).
VD 17 3:605383H (ohne die auf dem Titel erwähnte Karte). – Erste Ausgabe. – Mit Ansichten von Madrid, Toledo, Bilbao, Lissabon, Sevilla, Cordoba, Granada, Barcelona, u. a. – Es fehlen die S. 163-166 und die Karte. Stellenweise etwas gebräunt, im Schnitt leicht stockfleckig. – Register und Vorsätze mit einigen hs. Notizen von alter Hand. – Titelei alt gestempelt (unleserlich).
495,00 EUR

Flugblatt mit 2 Kupferstichen von Joseph Friedrich Leopold von 1704.

2x Einblattdruck von Joseph Friedrich Leopold (Augsburg, 1704). Gesamtgröße ca. 59,5 x 37 cm. Gerahmt. – Schefold Nr. 9631-Band 1; nicht bei Drugulin. – Sehr Selten.

Joseph Friedrich Leopold ( * 1668 in Augsburg; † 6. Februar 1727 ebenda), Kupfer-, und Notenstecher. Bekannt sind vor allem seine detailreichen Städteansichten, so auch von Ulm um 1720, siehe A. Marsch, F. B. Werner, S. 162, Nr. 194, nicht bei Fauser. Er brachte um 1700 mehrere Flugblätter, insbesondere auch zum Spanischen Erbfolgekrieg heraus, so z. Bsp. über die Schlacht bei Luzzara am 15. August 1702 oder die Gefangennahme des Marschall Villeroy durch Prinz Eugen, sowie über die Schlacht (Sieg) von Höchststädt und weitere mehr.

Beim oberen Kupferstich mit dem Titel: „Das Befreyete Ulm“ handelt es sich um eine Vogelschauansicht (nach Merian; 28×36 cm).Erklärungen 1-21,unten rechts signiert „gez. Frid. Leopold excudit „

Darunter angesetzt eine Beschreibung der Ereignisse der Jahre 1702 und 1704 mit dem Titel „Accourate Delineation und Beschreibung der von verstelltem Feind mit List hinderschlichenen so dann von Frantzösischem Joch gedruckt; und endlich durch Cäsars and Alliierte glückliche Waffen wiederum erquickt- und beglückten Stadt Ulm“ mit 2spalt. Drucktext und eingesetzter detailreicher Belagerungskarte, sowie Grundriss der Stadt (19 x 23 cm). Erklärungen A-S. Signiert „J.F. Leopold exc.“

Es handelt sich um einen wiederentdeckten Einblattdruck/Flugblatt von 1704 über die Einnahme und Befreiung Ulms während des Spanischen Erbfolgekrieges. Die Einblattdrucke wurden seinerzeit nicht aufgehoben und sind deshalb meist sehr selten. Vom vorliegenden Druck ist kein weiteres nachweisbar und somit weder in der Stadtbibliothek Ulm noch im Stadtarchiv nachzuweisen.

Lediglich Max Schefold erwähnt das Flugblatt in Band 1 zu „Alte Ansichten aus Württemberg“ als „Sammlung Stetter Stuttgart“, zusammengesetzt aus 2 Teilen. Hierbei handelt es sich vermutlich um dieses einzig nachweisbare Blatt.

Der obere Teil des Blattes zeigt einen Stadtplan aus der Vogelschau und ist bezeichnet mit „Das Befreyete Ulm“. Es handelt sich hierbei wohl um den bis dahin am ausführlichsten beschriebenen Stadtplan Ulms überhaupt. Mir ist kein anderer, älterer Plan mit solch vielen bezeugten Straßen-, Platz-, und Gebäudenamen, bekannt.

Der Vogelschauplan entspricht 1:1 dem exakten Abbild aus der Zeillerschen Topographie Sueviae (Schwaben) von Matthäus Merian von 1643 (nur das 1678 eingeebnete Hornwerk vor dem Lauseck wurde entsprechend entfernt) , sodaß der Verdacht nahe liegt, dass Leopold entweder die Kupferplatte besaß oder aber diesen exakt abgekupfert hat und seine zahlreichen Bezeichnungen (Straßennamen, Figuren etc.) hinzufügte, wovon übrigens auch Matthäus Seutter ca. 1720 in seinem Plan „ Ulm eine considerable freye Reichsstadt in Schwaben, wo die Flüsse Iller und Blau in die Donau fallen…“ die wichtigsten übernommen hat. Seine Erklärungen befinden sich an selbiger Stelle und sind mit selber Diktion verwendet.

Schließlich stammt Seutter ebenfalls aus Augsburg und es liegt nahe, dass er den Druck von Leopold kennen mußte.

Seutter Bsp.

Vergleich Leopold „Obere Statt“, „Weinhof“, „Steinerne Bruck“

Alleine schon deshalb kommt dem vorliegenden Blatt für weitere Nachforschungen eine immens hohe Bedeutung zu.

Auf der 2. Hälfte des Blattes (angeklebt) befindet sich das zweite Flugblatt, eine Belagerungskarte mit Gefechtsplan und Grundriss der Stadt, sowie die eigentliche Beschreibung der Ulmer Vorgänge (Befreiung) am Spanischen Erbfolgekrieg.

Daß das Blatt aus 1704 stammt geht aus dem Text hervor, wo es heißt „Sieg bei Höchstädt vom 20ten bis auf den 27ten Augusti diß 1704. Jahres continuirlich bei Ulm…“.

Dargestellt sind auch die Stadtteile Söflingen, Grimmelfingen und Wiblingen.

Die Besatzung Ulms bezeichnete mit dem Einsatz Bayerns als Verbündete mit Frankreich, den Beginn des Spanischen Erbfolgekrieges.

Aus strategischen Gründen wurde vereinbart als erstes Ulm einzunehmen, denn Ulm war der Schlüssel Süddeutschlands und galt als die stärkste der damaligen Reichsfestungen (Leeb S. 5) mit Hauptsitz des Schwäbischen Bundes.

Die bayrischen Truppen eroberten die starke Festung Ulm durch eine List, indem sie sich in Bauernkleidern getarnt nach Ulm einschlichen und so überrannten. Der französische König Ludwig XIV habe noch nie so viel Freude bezeugt als über diese gelungene Sache (Einnahme Ulms) berichtet Ricour dem Kurfürsten von der Genugtuung  dieser geglückten Unternehmung. (Heiß)

Literatur:

Merian: Vogelschauplan 1635 aus Theatrum Europaeum Ausgabe 2, der erste Plan Merians „Ulm aus der Vogelschau“.

Merian: Vogelschauplan 1638 Archontologia Cosmica.

Merian: Vogelschauplan 1643 Topographie Schwaben, mit Veränderungen (u.a. Hornwerk, Gänstor und das vorliegende Ravelin (wurde 1632 vollendet), Soldatenhäuschen, Donauinsel…).

Seutter Vogelschauplan ca. 1720.

Bodenehr 1718 Plan der Festung Ulm und die Stellung der Kaiserlichen (nachgezeichneter Festungsplanes durch Premierleutnant Jäkle).

Joseph Furttenbach: Architektur universalis.Das ist: Von Kriegs: Statt- und Wasser Gebäwen,  J. S. Meder 1635.

Johannes M. Faulhaber: Gantz kurze Jedoch gründliche Beschreibung der Bayerischen Kriegs…Stadtarchiv Ulm.

Schefold „Alte Ansichten aus Württemberg  (9631).                                                                                                                                                                             

Schefold/Pflüger „Ulm Das Bild der Stadt in alten Ansichten“  1967.

Loeffler „Geschichte der Festung Ulm“.

Baumann „Ulm Garnison und Festung Festschrift 1954“.

Leeb „Die Einnahme von Ulm 1702“ von 1885.

Schultes „Chronik von Ulm“ 1937.

Dr. Hassler:  „Der Stadtkreis Ulm/Amtliche Kreisbeschreibung“ 1977.

Thomas Weißbrich Hochstädt 1704. Eine Schlacht als Medienereignis.

Eberhard Roth Das Unter Churbaier= und französischer Gewalt, hartgedruckte, aber nicht untergedruckte Schwaben von 1704.

Matthias Schnitter: Der Spanische Erbfolgekrieg 1701-1713/14.

Karl Heiß: Ulm im Spanischen Erbfolgekrieg von 1702-1704, Zulassungsarbeit 1963.

Erichsen/Heinemann;Die Schlacht von Höchststädt 1704.

Preis auf Anfrage.

2.990,00 EUR
Sortierung:
Seite:
Differenzbesteuert